Lebensgeschichten

Ambia, Tigist und Ajana sind drei Frauen, welche in unterschiedlichen Rollen von der Projektarbeit von Women’s Hope International profitiert haben.

Lerne ihre Lebensgeschichten kennen:

Ambia - als Gruppe stark

Elf Mädchen sitzen in einem abgelegenen Dorf in Bangladesch im Kreis und diskutieren angeregt darüber, wie und wann sie als Mädchen und Frauen „Nein“ sagen können, dürfen und sollen.

Mitten unter ihnen sitzt Ambia (15). Ihre Mutter wurde bereits mit 13 Jahren verheiratet, ihr Vater ist Reisbauer. Im Herbst 2016 wurde Ambia von der Organisation LAMB als Gruppenleiterin ausgebildet. Seither leitet sie die monatlichen Gruppentreffen mit viel Engagement und Kompetenz. Mit den ihr anvertrauten Mädchen spricht sie unter anderem über die Risiken von Kinderehen und Teenager-Schwangerschaften, über Familienplanung, über die Betreuung von Schwangerschaften und Geburten, oder wie heute über die Frage „wie sage ich Nein?“. Einmal im Monat trifft sich Ambia mit Jacky, die als Community Health Worker arbeitet. Die Begleitung durch Jacky ist Ambia sehr wichtig. „Sie ist wie eine grosse Schwester für mich“, erklärt sie.

Ambias Gruppe kann bereits auf einen grossen Erfolg zurückblicken. „Es war ganz am Anfang, ich hatte gerade erst eine Gruppe übernommen“, erzählt Ambia. „Bethy sollte in Kürze verheiratet werden und teilte ihre Sorge mit der Gruppe.“ Gemeinsam ging die Gruppe zum Schuldirektor und zu Bethys Eltern, um sie davon abzuhalten, die 14-jährige Bethy zu verheiraten. Mit Erfolg: die Eltern liessen sich umstimmen, wohl nicht zuletzt dank der Unterstützung des Schuldirektors. „Bethy war so erleichtert. Dank dieser Gruppe hat sie ihr Leben zurückerhalten“, so Ambia.

Dass sie gemeinsam stark sind, dass sie Unterstützung von Mitgliedern der Gemeinschaft erhalten können, und dass ihr „Nein“ lebensverändernde Auswirkungen haben kann – das werden Ambia und „ihre“ Mädchen bestimmt nie vergessen.

Tigist - eine Hebamme fürs Leben

Das Gesundheitszentrum Georche liegt sehr abgelegen in einer hügeligen Landschaft im Süden Äthiopiens. Gerade fährt eine Ambulanz vor und eine hochschwangere Frau steigt aus – erschöpft von der langen Anreise, aber erleichtert, auf fachkundige Hilfe zählen zu können. Die Hebamme Tigist empfängt die hochschwangere Frau im Zentrum und untersucht sie eingehend. Die Geburt scheint normal zu verlaufen. Da die Schwangere noch keine ununterbrochene Begleitung benötigt, hat Tigist Zeit, um einige andere Frauen zu untersuchen und zu beraten. Dazwischen schaut sie regelmässig zu der ihr anvertrauten werdenden Mutter. Seit dem Abschluss ihrer Ausbildung am Hamlin College of Midwives setzt die 23jährige Hebamme ihr umfassendes Fachwissen und ihre praktischen Fähigkeiten für die Familien in und um Georche ein und führt das Zentrum zusammen mit ihrer Berufskollegin. Im Gesundheitszentrum Georche werden jedes Jahr rund 800 Kinder geboren. Die Arbeitslast der beiden Hebammen ist enorm. Dennoch nehmen sich beide die Zeit, mindestens jede zweite Woche je einen der fünf Gesundheitsposten in der weiteren Umgebung zu besuchen. Dort erhalten die Dorfbewohner eine medizinische Grundversorgung. Die Posten werden von Gesundheitshelfern mit einer medizinischen Grundausbildung geführt. Die Besuche der Hebammen sind sehr willkommen; ihre Fachkompetenz wird benötigt und geschätzt. Tigist lässt sich von der vielen Arbeit nicht unterkriegen. Von der Bevölkerung erhält sie immer wieder viel Lob und aufmunternde Worte. Auch für ihre eigene Familie engagiert sich die junge Frau. Mit einem Teil ihres Gehaltes hilft sie mit, die Ausbildung ihrer vier Geschwister zu finanzieren.

Ajana - eine junge Mutter aus Äthiopien

Die 18-jährige Ajana wohnt mit ihrem Mann in einem kleinen, abgelegenen Dorf im Südwesten von Äthiopien. Sie ist im neunten Monat schwanger und plant – wie die Meisten in ihrem Dorf – ihr Kind daheim ohne Begleitung einer Hebamme zur Welt zu bringen. Während ihrer Schwangerschaft hat sie keine Vorsorgeuntersuchung im Gesundheitszentrum besucht, da der Weg zum Zentrum besonders während der Regenzeit sehr beschwerlich ist. Es ist Mitternacht, als bei Ajana die Wehen einsetzen. Stunde um Stunde dauern sie an, doch egal wie stark sie presst, die Geburt geht nicht voran. Die junge Frau hat Angst um ihr Kind. Sie ist völlig erschöpft, unter Schmerzen wimmert sie leise. Ajanas Mann sorgt sich ebenso um seine Frau und das Baby in ihrem Bauch. Glücklicherweise hat er von der neuen Mütterambulanz erfahren, die durch Women’s Hope International ermöglicht wurde. Er benachrichtigt den Fahrer. Aufgrund der schlechten Strassenverhältnisse müssen einige Dorfbewohner Ajana auf einer Trage über den Fluss bis zum Wagen bringen. Im St. Luke Catholic Hospital in Wolisso werden sie von einer Hebamme erwartet, die kürzlich an einer Weiterbildung für Notfallsituationen teilgenommen hat. Die Hebamme handelt sofort und professionell. Einige Zeit später hält Ajana lächelnd ein kleines Mädchen in den Armen. Sie ist sich bewusst: Ohne die Ambulanz und die Nothilfe im Spital hätten sie und ihr Kind möglicherweise nicht überlebt. Dankbar und glücklich machen sich die Eltern mit ihrer Tochter nach einigen Tagen auf den Heimweg.